Zwei Jahre

Mein kleines Fräulein mit der großen Persönlichkeit. Du weisst ganz genau was Du willst.  Das T-Shirt von Deiner Patentante? Sofort anziehen! Und auch im Schlafsack anbehalten. Die Strickjacke, die sie Dir ebenfalls geschenkt hat? Erstmal in die Ecke pfeffern – „warm“. Naja, Recht hast Du. Endlich ist der Frühling angekommen, wie immer zu Deinem Geburtstag. Heute vor zwei Jahren sind wir, mit Dir im Tragetuch, im T-Shirt durch den Krankenhausgarten spaziert, letztes Jahr konntest Du schon selber laufen. Dieses Jahr kündigst Du an: „Fräulein Roller faahn!“ Das „R“ klingt dabei eher wie eine Mischung aus R und K. Der pinke Roller ist Dein Geschenk und ein echtes Highlight. Noch ist er ein wenig groß, trotzdem kannst Du schon prima damit fahren und wirst bestimmt lange Freude daran haben.

Du bist so schnell so groß geworden – im wörtlichen, wie im übertragenen Sinn: Du misst locker über 90cm, genaueres wird uns der Arzt nächste Woche bei der U7 mitteilen. Du sprichst fast schon in ganzen Sätzen. Gestern hast Du zum ersten Mal Farben benannt. Einfach so hast Du mir den gelben Stift hingehalten und stolz wie Oskar „gelb!“ gesagt. Nur eins tust Du lieber als malen: toben. Du bist ein kleiner Feger und es kann Dir nie wild genug sein. Deshalb liebst Du Deinen Opa ganz besonders. Er jagt Dich mit nicht nachlassender Begeisterung durch die Wohnung oder spielt bereitwillig zum tausendsten Mal „Hoppe Reiter“. Manchmal stehst Du auf der Couch und schaust durch das Fenster auf den Parkplatz. „Opa?“ fragst Du mich mit sehnsüchtigem Blick.

Als Dein Bruder geboren ist hast Du zum ersten Mal seit langer Zeit bei Oma und Opa übernachtet. Du hast mir so gefehlt! Dabei waren wir kaum 24 Stunden getrennt. Als Du wieder nach Hause kamst bist Du vor Begeisterung für das Baby übergesprudelt. Nun ist Dein kleiner Bruder schon 10 Tage bei uns und noch immer kommentierst Du jeden Pieps: „Baby weint /schläft / trinkt Milch…“ Du akzeptierst mit erstaunlicher Gelassenheit, dass Du unsere Aufmerksamkeit nun teilen musst. Nur einmal bist Du bisher garstig geworden: ich hatte es gewagt, das Baby in Deine Lieblingsdecke zu wickeln, das hat Dir gar nicht gepasst und Du hast wie wild an der Decke gezerrt, so schnell konnte ich das Baby kaum in Sicherheit bringen. Dafür hat das Baby später einen dicken Kuss bekommen, einfach so. Manchmal darf das Baby sogar mit Coco spielen, Deinem heiss geliebten Kuschelhasen, der in der Kita schon fast als 10. Kind durchgeht.

Du teilst gerne und bietest Mama und Papa immer von Deinem Essen an. Selbst wenn Du ein „Bommbomm“ ergattern konntest. Du schaust aber auch, dass Du nicht zu kurz kommst und schnappst Dir noch schnell das letzte Stückchen Apfel vom Teller, bevor es jemand anders isst, oder hältst meine Hand fest wenn ich danach greife.
Wenn Dir etwas nicht gefällt sagst Du ganz deutlich „Möcht’ich nich“.  Das gefällt mir. Es gibt mir das Gefühl, dass Du Dir nicht die Butter vom Brot nehmen lässt. Eine kleine Sorge weniger. Denn von denen hat man als Mutter so viele… Bei dem Gedanken, Dir könnte etwas zustoßen schnürt sich mir die Kehle zu. Wenn ich könnte, würde ich Dich in Luftpolsterfolie verpacken und alles Übel der Welt von Dir fern halten.

Ich liebe Dich so unendlich doll, meine Maus. Einen dicken Geburtstagskuss!
Deine Mama

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Schlechtes Gewissen einer Mutter

Ihr Lieben, eigentlich wollte ich Euch heute ein wenig mehr von der Geburt des Mini-Maier erzählen. Denn heute wäre unser errechneter Termin gewesen. Ein Sonntagskind! Naja, hat dann nur für den Samstag gereicht…

Heute muss ich aber erst einmal „unserer Großen“ -und meinem schlechten Gewissen- den nötigen Platz einräumen. Die Maus ist krank. Das erste Mal. In Zwei Jahren. Na gut, das erste Mal in einem Jahr und 363 Tagen… Bisher sind wir ausser mal nem Schnupfen und einer Blasenentzündung, die keinerlei Beschwerden verursacht hat (gemerkt hab ich’s am Geruch der Windel), von jeglichen größeren Krankheitsgeschichten verschont geblieben. Toi toi toi.

So habe ich mir auch eigentlich nichts dabei gedacht, als das kleine Fräulein heute Nacht im Schlaf kurz aufgeweint hat. Vielleicht hat sie schlecht geträumt. Soll ja schonmal vorkommen. Nach zwei, drei Schluchzern, ich war gerade aus dem Bett aufgestanden, war wieder Stille im Kinderzimmer. Der Liebste und ich schauen uns kurz an. Übernächtigt, nach gefühlten 250 Stillpausen (ich) und anschließendem Wickeln (er). Und legen uns wieder schlafen. Als ich heute Morgen ins Kinderzimmer ging, das kleine Fräulein schläft noch im Gitterbettchen und weckt uns, indem sie einfach nach Mama oder Papa ruft, musste ich erst einmal lachen: Fräulein’s Haare stehen in alle Richtungen zu Berge, das hatte ich so noch nicht gesehen. Beim näher treten dann der Schock: Sie hatte sich erbrochen, war von oben bis unten verschmiert! Obwohl sie beim Betreten des Zimmers noch gut gelaunt war, beginnt sie zu weinen, als ich sie in die Arme nehme. Mir bricht das Herz.

Meine kleine, süße Maus schläft die ganze Nacht in ihrem eigenen Erbrochenen und ich merk’s nicht. Oder noch schlimmer: ich hätte es merken können und bin nicht rein gegangen. Weil ich mit Kind zwei beschäftigt war. Weil mir ein bisschen Schlaf wichtiger war, als nach zu sehen, warum sie geweint hat. Bäm. Was für eine Rabenmutter.

Zu meiner Rechtfertigung (also zur Linderung meiner Gewissensbisse): Sie hat anscheinend im Halbschlaf gebrochen und danach sofort weiter geschlafen. Im Laufe des Tages hat sie sich noch zwei Mal erbrochen und beide Male nur unmittelbar dabei geweint, danach weiter gespielt als sei nichts passiert.
Normalerweise ruft sie uns, wenn irgendetwas ist, bzw. gehen wir natürlich ins Zimmer wenn sie weint, drehen aber halt manchmal um, wenn es im Kinderzimmer schon wieder still ist bevor wir die Tür geöffnet haben. Das kleine Fräulein hat nämlich einen sehr leichten Schlaf, steht sofort senkrecht im Bett, wenn man auch noch so leise versucht sich ins Zimmer zu schleichen. Und dann ist sie erst mal wach. Die nächsten zwei Stunden braucht dann hier niemand an Schlaf zu denken…

Trotzdem tut es mir so wahnsinnig leid, das ich heute Nacht nicht für sie da war! Heute haben wir erstmal das Babyfon wieder ausgepackt, um ganz genau zu hören, was im Kinderzimmer vor sich geht. Ich hoffe die kleine Maus hatte sich nur den Magen verdorben und ist schon morgen wieder fit…

Es grüßt die Rabenmutter,
Lisa

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Eine Woche

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Foto: Vladimir Dimitrov www.vladi-fotografie.com

Vor einer Woche spazierte ich am frühen Nachmittag mit Deinem Papa zu Fuß ins Krankenhaus. Nur mal gucken lassen, ob alles in Ordnung ist – ein Bauchgefühl. Am CTG die ersten Wehen… Keine 90 Minuten später lagst Du nackt auf meiner Brust, ganz blau und verquollen aber mit kräftiger Stimme.

Die Überraschung: Du siehst Deiner Schwester so ähnlich. Oder sollte ich sagen „Deinem Papa“? Die Maier-Nase und der wunderschöne Schwung Deiner winzigen Lippen sind unverkennbar. Selbst das Knickohr, das sich inzwischen entfaltet hat…

Du warst mir sofort vertraut, mein kleiner Mann, ich möchte Dich nie mehr missen!

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